Es ist soweit, die Sonne ist endlich zurück!
Langsam beginnt die Zeit der Gartenarbeit, und die Wintersachen werden eingemottet.

Warte! Motte?

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Bild: Pexels

Fürchtest du diese kleinen Mistviecher auch so sehr wie ich?

Keine Sorge, mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen kannst du das Risiko von Mottenbefall deutlich verringern. Damit deine geliebten Stricksachen im nächsten Winter wieder einwandfrei aus dem Schrank kommen, gebe ich dir daher heute

10 Tipps für einen mottenfreien Kleiderschrank

Zuerst aber ein näherer Blick auf den miesen Fressfeind unserer Wollsachen:

Die Kleidermotte – Tineola bisselliella – sieht eigentlich ganz harmlos aus. Wie ein kleiner Nachtfalter mit graubraunen Flügeln. Und das ausgewachsene Tier ist auch an sich nicht der eigentliche Übeltäter, denn erwachsene Motten fressen nicht. Sie legen nur Eier, aus denen dann Larven schlüpfen, die sich von tierischen und menschlichen Haaren ernähren. Genau… dazu gehört auch Wolle.

Eine Larve erkennt man kaum, nur ein kleiner weißer Faden an ihrer Futterstelle deutet auf sie hin. Auch die erwachsene Motte ist nicht leicht zu entdecken, da sie lichtscheu ist und sich gerne in Kleiderstapeln versteckt hält. Und genau diese Kombination birgt die Gefahr, dass über den Sommer weggelegte Wollsachen ein Motten-Nistplatz werden und im Herbst löchrig aus dem Schrank kommen.

Was du dagegen tun kannst?

 

1 . Waschen

Motten lieben den Geruch von Schweiß und menschliche Hautpartikel sind eine Delikatesse für sie. Du minderst also die Attraktivität deiner Wollsachen, wenn sie nach Waschmittel riechen.
Grundsätzlich bin ich zwar kein Fan davon Wolle allzu häufig zu waschen (tierische Fasern haben eine Art Selbstreinigungsfunktion), aber am Ende einer Wintersaison ist es dann doch einfach mal so weit: Wasser marsch!

2. Trocknen

Leider braucht Wolle eine Weile um zu trocknen, da führt kein Weg herum. Du kannst es etwas beschleunigen, indem du den Wäscheständer nach draußen stellst. Achte nur darauf, dass direktes Sonnenlicht deine Wollsachen schnell ausbleichen kann, der Wäscheständer gehört daher auf jeden Fall in den Schatten. Erst sobald deine Pullover und Tücher restlos trocken sind geht es weiter.

3. Putzen

Während deine Sachen in der Wäsche sind, solltest du deinen Kleiderschrank gründlich reinigen. Dafür saugst du zuerst gründlich über alle Bretter, außerdem durch die Ecken und Ritzen. Dunkle Ecken sind gern genutzte Verstecke von Motten, und auch ihre Larven können hier ausharren bis deine Wollsachen zurückkommen. Am besten wischt du zum Schluss noch gründlich mit einem feuchten Tuch durch den Schrank. Du kannst das Tuch zum Beispiel auch mit einem ätherischen Öl befeuchten, denn diese Gerüche mögen zumindest die erwachsenen Motten überhaupt nicht. Der Schrank muss 100% trocken sein, bevor du deine Wollsachen wieder zurücklegst.

4. Duftsäckchen

Du kennst bestimmt schon den Trick mit den Duftfallen gegen Motten, oder? Leider helfen die Gerüche nur gegen erwachsene Motten, aber immerhin. Die handelsüblichen Fallen locken übrigens nur die Männchen an, ich nutze sie nur um einen möglichen Mottenbefall zu erkennen, bilde mir aber nicht ein damit vor Mottennachwuchs geschützt zu sein. Um den Weibchen die Eiablage so unangenehm wie möglich zu machen, kannst du aber mit – für Menschen angenehmen – Gerüchen einiges erreichen. Zedernholz und Lavendel sind bekannte Motten-“repellants”. Ich mag gerne Kleiderbügel aus Zedernholz, und im Herbst trockne ich die Lavendelblüten aus meinem Kräuterbeet für kleine Duftsträußchen.

Leider verlieren diese kleinen Helferlein mit der Zeit ihren Geruch. Das Zedernholz kannst du mit einer Nagelfeile oder Schleifpapier etwas aufrauen, und erfrischst so die Wirkung. Lavendel ist leider nicht so lange haltbar und gerade zum “einmotten” der Wintersachen im Frühling ist kein frisch getrockneter Lavendel zu haben. Nach einiger Recherche habe ich daher Waldmeister für mich entdeckt, denn der fängt jetzt bereits wieder an zu sprießen, und ist den Motten in getrockneter Form genauso unangenehm wie Lavendel. Plus: Lavendel löst bei manchen Menschen Kontaktallergien aus, Waldmeister eher nicht. Außerdem ist Waldmeister eine mehrjährige Pflanze, die unkrautähnlich auch bei dem untalentiertesten Gärtner (mir) überlebt. Und im Sommer schmecken mir die Blätter gut im Weißwein 🙂

5. Einpacken

Um möglichen Mottenbefall einzudämmen, macht es Sinn Wollsachen getrennt von einander aufzubewahren. Aus einem mir unerfindlichen Grund hat sich dafür offenbar der Einsatz von diesen Vakuum-Plastiktüten herumgesprochen. Pfui Pfui Pfui! Falls deine Wollsachen doch noch einen Hauch von Restfeuchtigkeit in sich haben, ist so ein luftdichter Sack ein Brutplatz für Schimmel.

Stattdessen kann man sich wunderbar zunutze machen, dass Motten tierische Fasern lieben, pflanzliche Fasern aber einfach links liegen lassen. Baumwollbeutel sind atmungsaktiv, und mit einem Reißverschluss auch mottensicher. Und falls du – wie ich – keine Lust hast für jedes meiner Strickteile einen Beutel mit Reißverschluss zu nähen, kannst du für jedes Wollteil einen 40x40cm Kopfkissenbezug benutzen. IKEA hat mir mal einen Sonderposten quasi vor die Füße gelegt…

 

Falls diese Tipps aber zu spät kommen, und du schon Mottenlöcher hast:

6. Nicht direkt die Löcher stopfen!

Leider sind die sichtbaren Löcher von Motten nicht das volle Ausmaß des Schadens. Der Speichel der kleinen Biester löst leider auch die umliegenden Fasern an, und sobald dein Wollstück das nächste Mal in Kontakt mit Wasser kommt weitet sich das Loch noch etwas. Deine Ausbesserung hätte dann keinen Halt mehr, und das Loch wäre einfach wieder da, nur diesmal größer. Daher musst du auf jeden Fall alle beschädigten Teile gründlich waschen bevor du zur Stopfnadel greifst, und alle oben beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Außerdem

7. Kälte

Wo Löcher sind, sind wahrscheinlich auch noch mehr hungrige Larven, die eine sanfte Wollwäsche problemlos überstehen. Du kannst aber Wollsachen in einer Plastiktüte (diesmal ist das ok) für eine Woche ins Eisfach (mindestens -15°) legen. Diese arktischen Bedingungen machen auch den Larven den Garaus.

Oder

8. Hitze

Falls dein Kühlfach – wie meins – nicht genug Platz für deine Wollsachen bietet, kannst du die Mottenlarven auch im Backofen abtöten. Zwei Stunden bei 60° reichen schon aus. Allerdings musst du dabei unbedingt in der Nähe bleiben, denn wenn deine Wolle zu nah an die Heizstäbe kommt, könnte ein Feuer ausbrechen.

Langfristige Lösungen:

9. Schlupfwespen

Diese unsichtbar kleinen Nützlinge kannst du im Internet bestellen. Keine Sorge – du treibst hier nicht den Teufel mit dem Beelzebub aus, Schlupfwespen sind komplett unproblematisch. Sie legen ihre Eier in den Larven der Motten ab, die dadurch unschädlich gemacht werden. Sobald keine Eier mehr da sind, sterben die Schlupfwespen aus. Und auch wenn “Wespe” in ihrem Namen steckt, sie stechen nicht!

Um wirklich sicher zu sein, dass keine Mottenlarven überleben, solltest du diese Behandlung über mehrere Monate fortführen. Diese Methode nutze ich auch präventiv, da mir die Kosten in Relation zu meinen Wollsachen gering erscheinen. Außerdem kann ich so auch meinen Stash und das Lager schützen, denn die Motten würden zur Not auch dort ihren Hunger stillen.

10. Liebe

Das sicherste Mittel gegen Motten ist übrigens regelmäßiges Tragen deiner Wollsachen. Denn die kleinen Mistviecher sind totale Stubenhocker: frische Luft und Sonnenschein meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Daher kannst du deine Lieblingsstücke auch schützen, indem du sie im Sommer einfach weiter trägst. Zumindest die dünnen Tücher und eine leichte Strickjacke für abends kannst du ja auch bei wärmeren Temperaturen gut gebrauchen, oder?