Zeigt her eure Hände

 

Seitdem ich im Herbst das erste Mal Handschuhe (und direkt mit Fingern :-o) gestrickt habe, fasziniert mich das Thema. Fäustlinge sind ungefähr so leicht zu stricken wie Socken – vielleicht sogar noch leichter – und das Ergebnis verschwindet nicht unsichtbar in Schuhen. Beim skandinavischen Stricksamstag habt ihr mein Interesse an verschiedenen Handschuharten schon lesen können, denn die Nordlichter haben die ein oder andere Technik entwickelt, wie man im Winter warme Hände behält.

Vor einigen Wochen sind meine Handschuhe meinem Cousin aufgefallen und wurden ausgiebig bewundert. Zum runden Geburtstag dieses Wochenende war also das Geschenk klar.

Kleine Information am Rande: Absoluter Lieblingscousin, nicht nur Bluts- sondern auch Seelenverwandter, dazu die 0 im neuen Alter, da kann man schon mal richtig loslegen beim Geschenk.

Nun begab es sich also vor einiger Zeit

Meine norwegischen Handschuhbibeln bieten meist relativ kleine Handschuhe. Das Muster für mein Paar war als „Männergröße Medium“ angelegt. Neue Problemzone: Ich habe Riesen-Bauernhände!!!! Und der Rest meiner Sippe auch!!! Besonders die Daumen scheinen bei uns extrem lang angelegt zu sein, ich habe bei meinem Paar fast die doppelte Anzahl Daumen-Runden gestrickt als im Muster angegeben.

Northman Mittens auf Ravelry

Bild von der Musterseite bei Ravelry

 

Auf Ravelry habe ich mich daher auf die Jagd nach einem anspruchsvollen, ansprechenden Muster in Paddelhandgröße gemacht und bin auf die Northman Mittens gestoßen. Die Beschreibung erfüllte meine Erwartungen: ein paar technische Finessen, Fairisle, Männergrößen, und dass der Handschuh ein Futter bekommt fand ich auch eine gute Idee.

Spoiler Alarm: Mein Cousin bekommt ungefütterte Northman Mittens. Das mit den verschiedenen Größen war ein bisschen viel versprochen, und ins fertige Exemplar passt kein Futter mehr rein. Aber mehr dazu gleich.

Die baltischen Nordmann Handschuhe für den Berliner Gebrauch

Verstrickt habe ich ein Garn aus dem Baltikum, das mir ein Bekannter zum ausprobieren gegeben hat. Reine Natur, mit Ökofarben gefärbt, am Strang ehrlich gesagt etwas rau und kratzig…aber es sollte ja ein Futter rein, also ab dafür. Erstes Stutzen als ich lese: die unterschiedlichen Größen werden durch gleiches Garn, aber unterschiedliche Nadelstärke erreicht. Huch??? Der Theorie kann ich nicht ganz folgen. Aber gut. Mein Garn benötigte sowieso die größte der angegebenen Nadeln, also würde ich wohl automatisch auf eine passable Männergröße kommen.

northman2

Also die Männerhände des Bruders gehen rein, aber wir haben beschlossen selbst das angedachte Futter aus Lamana Piura (Lace Alpaca, schön warm aber zart und dünn) würde leider nicht passen. So sind es jetzt eher Übergangshandschuhe geworden.

Außer dieser Größenthematik ist das Muster gut geschrieben. Toll ist, dass es einzelne Charts für links und rechts gibt. Bisher hatte ich das immer zusammengewurschtelt gesehen, und das macht das ablesen nicht leichter.

Überraschend hilfreich war, dass diese Charts noch in zwei Variationen kamen: dunkles Muster auf hell, und helles Muster auf dunkel. Super!

Abgesehen vom Futter ist die Konstruktion des Fäustlings eigentlich ganz genau die gleiche wie für alle Selbu Handschuhe die ich bisher gesehen habe. Die Zunahmen für den Daumen sind hier entscheidend. Ein kleiner Clou ist aber das „braided edging“ („Zopfkante“?) am Bündchen. Irre fummelig, sieht aber wirklich toll aus.

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Das Garn wird beim stricken übrigens deutlich weniger rau, und nach einem Bad und Dämpfen finde ich es sogar weich. Mir gefällt der etwas ursprünglichere Eindruck durch das etwas ungleichmäßige Garn, ich denke dass man ihnen Belastungen nicht so schnell ansehen wird. Für den nächsten Herbst werde ich sicher wieder auf dieses Muster zurückkommen, dann aber mit dem Wissen, dass ich im Zweifel noch größer, breiter, wärmer planen muss.

Da ich den zweiten Handschuh gerade erst vernäht habe, gilt das wohl gaaaaaaaanz knapp noch als Auf den Nadeln Artikel, daher rüber damit zu Marisas Linksammlung.