Kennt ihr den Witz von der Blondine, die stirbt weil man ihr die Kopfhörer absetzt? Denn ihr Walkman (Gott ist der alt…) erinnert in Dauerschleife:

„Einatmen … Ausatmen … Einatmen … Ausatmen …“

Leider kann ich diese Blondinenplaylist bei Spotify nicht finden.

Denn: Die letzte Woche war stressig. Aber auch so toll! Und ich will euch alles erzählen und kann es aber gar nicht alles in Worte fassen. Daher werde ich eins nach dem anderen berichten, der Reihe nach und ganz ruhig atmend. Wobei ich leider ein paar Details noch aussparen muss, aber ich weiß ja wie gern ihr auf Überraschungen wartet, nicht wahr?

Angefangen hat es mit einer Fahrt nach Berlin. Das mach ich ja öfters, nur war diesmal der Haupt-Anlass ein besonders garniger:

#Stricken3Punkt0

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Prym, der OZ Verlag und Makerist hatten mich und 29 andere Strick-Social-Media-Nerds in die heiligen Hallen bei Makerist geladen.
Dort durften wir eine Neuheit ausprobieren: Die Prym Ergonomics Nadeln.

Schon im Frühjahr hatte ich die ersten Prototypen auf der H&H in Köln gesehen und war total fasziniert. Man muss dazu wissen: Ich bin ein Fan von Familienunternehmen. Meine Abschlussarbeiten in Bachelor und Master habe ich über die deutschen Familienunternehmen und ihre Bedeutung für den Standort Deutschland geschrieben, und ich bin weiterhin fest davon überzeugt dass die vielen inhabergeführten Firmen ihren Teil dafür tun dass unser Land so verhältnismäßig glimpflich durch die Finanzkrise kommt.

Jedenfalls war mir Prym als das älteste deutsche Industrieunternehmen in Familienhand schon aus meinen Recherchen von damals bekannt. Die wechselhafte deutsche Geschichte seit 1530 kann man nur durch immerwährende Innovation und gutes wirtschaften überleben, das ist kein Glück… das ist Können!

Die aktuelle Innovation konnten wir nun also in den Händen halten. Und ausprobieren. Und mit nach Hause nehmen.

Um ehrlich zu sein war ich etwas zwi-gespalten. Auf der Messe hatte ich wie gesagt schon ein Auge auf die „Weltneuheit“ geworfen und gesehen: Die sind ja aus Plastik!
Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine mäßige Begeisterung beim Neko Nadelspiel? Andererseits fand ich die Idee dass man die Jackennadeln zusammenknippsen kann schon ne gute Idee. (Falls jemand im letzten Winter irgendwo zwischen Oslo und Münster eine KnitPro Holz Jackennadel in 2,5mm gefunden hat… die zweite liegt hier)
Außerdem konnte ich beim ersten Anfassen sofort die Vorteile der Form erkennen: Die Nadeln sind dreieckig, mit abgerundeten Seitenflächen, das liegt unerwartet gut in der Hand.
Verdattert war ich aber über die Spitze, beziehungsweise das Fehlen derselben.
Die Nadeln verjüngen sich erst, um dann in einem kleinen Knubbel zu enden.
Ich mag meine Nadeln spitz. So richtig spitz. Meine Maschen sind stramm, strammer, am strammsten. Stumpfe Nadeln gehen da gar nicht. Folglich: Prym Ergonomics sind nix für mich. Punkt.

Dachte ich bis vergangenen Donnerstag.

Die Makerist-en hatten uns einen richtig tollen Raum vorbereitet, die perfekte Location für eine wildgewordene Horde Nadeltrinen in Schnatterlaune. Leider konnte ich nicht lange mitschnattern, da mich ein Infekt komplett aus den Socken gehauen hat. Die Mitstreiterinnen sind aber bis teilweise nach Mitternacht geblieben, so gemütlich war es.
Mein Nadeltest fand dann also in privaterem Rahmen statt.

Es gibt die Ergonomics wie gesagt als klickbare Jackennadeln, aber auch als Rundnadeln und als Nadelspiel. Testen konnten wir jeweils die 5mm Variante. Auf dem Event gab es auch allerlei Garne zum anschnuppern und rumprobieren, meine Wahl ist auf das Bändchengarn Softness von Lala Berlin / Lana Grossa gefallen, denn das hatte Marisa mir auf dem Weg nach draußen noch in die Hand gedrückt.

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Versuchsaufbau 1: Rundnadeln

Die wiegen echt nix. Das Seil fühlt sich metallisch an, und irgendwie nicht 100% glatt.
Kreuzanschlag sitzt. Erste Reihe recht auch. Aber linke Maschen gehen ja bestimmt nicht, da kommt man mit dem Knubbel doch eh nicht in die engen Maschen, oder?
Doch! Und wie!
Nach ein paar Reihen bin ich verliebt. So ein gleichmäßiges Maschenbild erreiche ich sonst nur auf Metall.

Versuchsaufbau 2: Jackennadeln

Weiterhin gefühltes Eigengewicht der Nadeln: 0,00g.
Mir sind sie zu lang und irgendwie steh ich mir selbst im Weg.
Das Maschenbild bleibt phänomenal, es flutscht aber nicht so schön, da die Nadeln und ich eher miteinander ringen als stricken.
Ich stricke nur eine Hin- und eine Rückreihe, danach bin ich genervt.

Versuchsaufbau 3: Nadelspiel

Auch fünf Nadeln wiegen nix. Es läuft einfach wie ne eins!
Die Maschen flutschen, linke und rechte Maschen haben die gleiche Spannung, das Ergebnis ist gleichmäßig wie von einer Maschine.

Fazit
Mega!
Ich brauche aktuell keine neuen Nadeln, aber wenn könnte ich mir zumindest diese Rundnadeln und das Nadelspiel gut vorstellen. Dass ich kein Fan von Jackennadeln bin ist nicht Prym’s Fehler.
Der Knubbel an der Spitze ist super! Wie versprochen verhindert er runterfallende Maschen, und kommt auch in wirklich feste Maschen. Außerdem splittet man mit dem Knubbel keine Fäden, und das ist für mich und meine Dolch-Nadeln ein wirklicher Konfliktpunkt.
Allerdings habe ich Bedenken:
5.0mmm benutze ich sehr sehr sehr selten. Eigentlich komme ich selten über 3,5mm. Ob die Nadeln auch in dünn noch stabil sind? Meine KnitPro Holznadeln brechen mir bis 4,5mm in schöner Regelmäßigkeit durch, Bambusnadeln verbiege ich auch ungefähr bis zu der Stärke. Die Neko Nadeln fühlten sich bei 3.0mm an wie gekochte Spaghetti.
Die Ergonomics in 5.0 sind stabil, keine Frage (habe wirklich rabiat gezogen und gedrückt), aber ob das bei Sockenstärke auch klappt?
Diese Frage kann ich leider im Moment nicht beantworten, denn die Nadeln sind erst im Winter im Handel, und vorher gibt es eben nur die 5mm Stärke zu testen.
Für Fans von dickeren Nadeln und auf jeden Fall für Anfänger kann ich mir die Ergonomics auf jeden Fall gut vorstellen.
Es kann außerdem gut sein, dass ich mir für Unterwegsprojekte ein paar Stärken zulege, denn Plastik heisst ja auch kein Stress im Flugzeug.