Nackige Schafe in Island?

naturwolleVor zwei Wochen ging es hier schon mal um Island, und zwar um den klassischen Isländerpullover, und darum dass ich liebend gerne einen stricken würde.

Das passende Buch hatte ich euch auch direkt verlinkt.

Und dann erreicht mich diese Woche folgende Nachricht: Island hat Wollknappheit!!!!!

Und zwar ist in diesem Jahr ein bis zu 15% Anstieg im Garnabsatz festzustellen, und obwohl man schon zusätzliches Personal eingestellt hat, es wird dieses Jahr eng(ere Pullover geben müssen). Wart ihr das? Hamstert ihr? Und was ist mit mir?

Mich überrascht die Nachricht etwas, denn eigentlich hört man von allen Seiten dass Rohwolle verbrannt wird oder im Garten zur Rehabwehr genutzt wird. Verarbeitet wird nur das wenigste, denn es herrscht eigentlich ein absolutes Überangebot an Rohwolle von „normalen“ Schafen. Nur Merinowolle aus warmen Gegenden ist etwas begehrter. Angeblich sind wir Stricker „im Schuld“, weil wir nur kuschelweichstes Flauschmerino haben wollen. Aber nun diese Nachricht aus Island.

In meinen Ohren ist das eine wunderbare Neuigkeit. Es gibt also doch einen Markt für weitestgehend natürliche Wolle von Mulesing-freien Schafen. Toll! Macht weiter so!

Und wenn ihr schon dabei seid, kauft doch im Sommerurlaub auch andere nachhaltig produzierte Garne von skandinavischen Schafen. Ein paar Vorschläge:

Ullcentrum Öland 

Die Frauen hinter dem Ullcentrum (Wollzentrum) von der Insel Öland fahren los und holen bei Schäfern Wolle ab, die sonst verbrannt würde. Daraus fertigen sie alles mögliche, Pantoffeln, Decken und und und, und sie lassen Garn spinnen. In tollen Farben. Und als einer der wenigen Hersteller lassen sie Garn in Z-Richtung spinnen, wodurch es sich zum Tvåändsstickning eignet. Es gibt auch extra für Lovikka-Handschuhe gedachte Wolle, hier kennt und schätzt man die traditionell schwedischen Techniken.

Lofoten Wool

Eine ganz kleine Spinnerei die nur Wolle aus den Lofoten und Nordnorwegen verwendet. Es gibt auch Garn aus der Wolle des „Spæl“-Schafs (Spælsau), eine einheimische Rasse deren Unterwolle besonders weich ist. Das längere Außenfell haben die Wikinger übrigens genutzt um daraus die Segel für ihre Schiffe zu machen. Als ich im Winter in Oslo war habe ich einen Strang Spælsau-Garn mitgebracht, allerdings bin ich noch nicht zum geplanten Paar Handschuhe gekommen.

Östergötlands Ullspinneri

Diese Spinnerei ist mir letztes Jahr beim Garn-Shopping in Schweden über den Weg (und in den Einkaufskorb) gelaufen. Mein Stash soll mal ein Tuch werden, es fehlt allerdings die Zeit 😉 Unternehmen dieser Art gibt es auch in Schweden nicht mehr viele, und das obwohl Wollverarbeitung vor gar nicht so langer Zeit noch in jedem Kaff vonstatten ging. In der Nähe von unserem Ferienhaus kann man diverse Spinnereien besichtigen, nur in Betrieb sind sie leider nicht mehr. Daher freut es mich um so mehr, dass diese Spinnerei sogar bis nach Japan bekannt und beliebt ist.

Spinnerigården

Wieder aus Norwegen, ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Auch hier verarbeitet man Spælsauwolle, im Webshop kann man auch vieles aus der eigenen Fertigung kaufen. Leider kein Garn. Aber falls es euch in den Sommerferien zufällig in die Nähe von Kristiansand bringt, es gibt einen Garnverkauf im Hofladen.

Hillesvåg Ullvarefabrikk

Hätte ich doch nur schon gestrickt als ich noch in Bergen gewohnt habe! Hillesvåg ist nur 35km nördlich von Bergen, und auch dieses Familienunternehmen arbeitet mit heimischer Wolle. Die Wolle vom „Pelzschaf“ (Pelssau), einer Mischung aus norwegischen und schwedischen Rassen, lockt mich besonders. Angeblich soll sie ähnlich glänzen wie Mohair.

 

Bei näherem Nachdenken sollte ich einen Vorwand für eine Norwegenreise finden 😉

Wie ist das bei euch, könnt ihr „echte“ Wolle an der Haut haben? Kennt ihr noch Bezugsquellen für so richtige Wolle?