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Quelle: Wikimedia

In schwedischen Supermärkten gibt es meistens eine Auswahl an DVDs zu wirklich günstigen Preisen. Quasi als “Sprach-Wegzehrung” für die Zeit in Deutschland bringe ich mir immer ein paar mit schwedischer Tonspur mit. Bei einer meiner Einkaufstouren ist mir dieses Jahr ein Film ins Auge gefallen, von dem ich noch gar nicht gehört hatte. Und zwar „Testament of Youth“ mit Alicia Vikander und Kit Harington. Der gute Kit sagt mir gar nichts, aber Alicia Vikander ist Schwedens Liebling #1 im Moment. Dementsprechend Alicia-fokussiert sind auch die Rezensionen auf der schwedischen Hülle.
Nun denn… gekauft, gesehen und für absolut sehenswert befunden – und das obwohl es keine schwedische Tonspur gibt.

Worum es geht:

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Quelle: Harper’s Bazaar

Um Vera Brittain, von der ich noch nie in meinem Leben gehört hatte, und ihre Erfahrungen im ersten Weltkrieg.
Offenbar ist Frau Brittain eine renommierte Autorin und wichtige Pazifistin im 20. Jahrhundert gewesen (sagt Wikipedia). Außerdem hat sie wohl einen ziemlichen Modetick gehabt…

Die Storyline ist kurz gefasst die: Als Tochter eines Industriellen geboren wünscht sich Vera in Oxford Literatur studieren zu dürfen. Mithilfe der Überzeugungskraft ihres Bruders wird der Herr Papa weichgekocht. Nebenbei verliebt sie sich in einen Freund des Bruders. Kurz vor Beginn des ersten Semesters bricht der erste Weltkrieg aus, Vera’s Bruder und seine Freunde melden sich direkt freiwillig um ja etwas vom Krieg mitzukriegen. Den Rest spoiler ich jetzt mal nicht.

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Quelle: Harper’s Bazaar

Der Film basiert auf der Autobiographie mit dem Namen „Testament of Youth“, laut Klappentext ein klassischer Augenzeugenbericht aus der Sicht einer Frau.

Also mir hat der Film gut gefallen. Natürlich kennt man die Story des ersten Weltkriegs, die eifrige Begeisterung der jungen Männer auf beiden Seiten ist sicherlich schon häufiger beleuchtet worden. Auch in diesem Film wird das Gemetzel an einer ganzen Generation nicht geschönt und am Ausgang des Krieges ändert sich natürlich auch nichts.

Üblicherweise halte ich überhaupt nichts vom Hypen einzelner Schauspieler, aber in diesem Fall muss ich den Kritikern recht geben… Alicia Vikander spielt wirklich sehr gut. Allein ihr Part macht den Film sicherlich sehenswert.

Wo ist der Oscar für die Kostüme??!!!!

Ganz ehrlich, wenn ich vielleicht eines Morgens mal aufwache und die passende Figur dafür habe will ich jedes einzelne der Vera Outfits aus diesem Film haben!

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Quelle: Harper’s Bazaar

Ein paar Strickpullis… zum Niederknien!

Die Form der Oberteile ist für die heutige Mode etwas ungewöhnlich, und selbst wenn die Klamotten teilweise nur kurz auftauchen, man erkennt verdammt gute Handwerkskunst (zum Beispiel ist eine Bluse der Professorin so dermaßen genial gearbeitet, ich könnt hüpfen vor Freude!). Mindestens aus Interesse an textiler Geschichte und ungewohnten Schnitten und Stilen hat sich der Film für mich total gelohnt.

Mit dieser Meinung bin ich auch nicht allein, selbst Harpers Bazaar hat den Kostümen einen Bericht gewidmet, und auch dieser Blog und dieser Tumblr sind voll des Lobs.

Daher: 124 Minuten, in denen du vielleicht kein allzu kompliziertes Muster auf den Nadeln haben solltest, die du aber nicht bereuen wirst.

Übrigens wird in einer Szene auch gestrickt – allerdings widerwillig und mit wenig Erfolg – eine Professorin strickt Socken für die Soldaten. In diesem Blog wird eingehend über das stricken für Soldaten Phänomen berichtet, als alter Geschi-LKler finde ich sowas ja immer spannend 🙂

Auf Deutsch heißt der Film genauso und hier gibt’s ihn bei iTunes, hier bei Amazon. Ich hab jedenfalls vor  mindestens einen der Pullover als Inspiration zu nutzen.