Oder: Muster „umdenken“

Habt ihr eine Lieblingskategorie an Stricksachen? Also ich weiß, viele stricken meistens und am liebsten Socken, andere fast ausschließlich Tücher, Babysachen, Mützen und und und. Bei mir ist eigentlich immer mindestens ein Pullover auf den Nadeln. Im Moment sogar 4. (Yarrow und ein Zopfpulli sind „eigentlich“ fertig, und zwei eigene sind noch in der „Musterentstehungsphase“)

Puppylove

Mo findet Strickpullis auch suuuuuuuuper! – Gehen wir die lange Runde?!

Warum?

Erstens weil mir eigentlich das halbe Jahr über kalt ist. Da ich mit dem Hund viel draußen bin ist es wichtig viele Zwiebelschichten zu tragen. Kunstfasern und diese Fleecedinger mag ich gaaaaaaaar nicht, davon kriege ich – ohne Witz – Ausschlag wo auch immer meine Haut das Zeug berührt. Also Wolle.

Zweitens bin ich zu groß für Kaufklamotten. Bei 180cm kann ich in der Männerabteilung manchmal echt schöne Pullis kaufen, aber in der Damenoberbekleidung scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben, dass Pullover hochrutschen wenn man sich mal bücken muss. Weder möchte ich der Welt den Anblick meines Steißbeins bieten, noch eine Nierenbeckenentzündung haben; Abhilfe leisten also extra lang gestrickte Pullover von meinen eigenen Nadeln.

Ravelry

Meine ersten Pulloverversuche habe ich mit einem Gratismuster von Ravelry unternommen: Der Driftwood von Isabell Krämer.

Dieses Muster ist meiner Meinung nach ein wirklich gelungenes Muster! Nicht weil es super ausführlich ist, oder weil der Pulli der Traum eines jeden Menschen sein müsste (ich find ihn aber wirklich toll!), sondern weil mir die Technik gefällt. Von oben nach unten, am Stück. Keine lästigen Nähte, kaum linke Maschen – da kann selbst ein Anfänger ein gleichmäßiges Ergebnis schaffen.

Bei Ravelry sind solche Muster wirklich gut vertreten. Neben Optik haben die Designer sich deutliche Gedanken gemacht, wie man mit möglichst wenigen Strapazen ein schönes Ergebnis hinbekommt – auch wenn man (noch) nicht zur Hall of Fame der Stricklegenden gehört. Und zum Glück (finde ich) wird daher das aneinandernähen von Teilstücken weitestgehend vermieden.

Warum mir das wichtig ist? Meine Nähte werden NIE!!! zu 100% sauber. Vielleicht habe ich irgendwo mal einen schlechten Tag gehabt und die Fadenspannung passte nicht, oder das Garn war an einer Stelle dünner, oder oder oder. Dazu kommt, dass fast jeder losere linke Maschen als rechte Maschen strickt. Ein Rezept für Unzufriedenheit. Wo genäht wird fallen bei mir Schweißperlen.

Kein kategorischer Imperativ

Bei manchen Projekten ist es mir das wert. Beatnik von Norah Gaughan zum Beispiel. Das war mein zweiter Pulloverversuch, und in meiner verlängerten Version wäre der am Stück einfach zu schwer geworden für eine Rundnadel. Genauso bei meinem 99% fertigen Zopfpulli aus Cardiff Large. Da nähe ich gerne. Da ist es mir das wert. Wobei man auch diese Anleitung für ein leichteres Garn umdenken könnte.

Und jetzt: Vermeidungstaktik

Nun aber zu meinem aktuellen Thema. Am Beispiel Rowan… ich liebe die Garne! Und ich liebe so viele von den Entwürfen! Die Designer von Rowan sind wirklich Meister ihres Fachs, in so gut wie jedem Heft ist mindestens ein Teil, das ich augenblicklich anschlagen möchte.

rowanheft

Das Rowan Magazin ist jedes Mal eine Qual – der menschliche Körper hat zu wenige Arme um alle Entwürfe zu stricken.

Aber!

Leider ist man offenbar bei Rowan der Meinung, dass alles „knit flat“ sein muss.  Damit sind sie nicht alleine, es gibt diverse Anhänger dieses (meiner Meinung nach) „Irrglauben“ 🙂

Sageswatch

Der Beweis: Ich habe das hin-und-her stricken probiert. Bitte nie wieder.

Marie Wallin, die Designerin von meinem Sage war lange die Chefdesignerin bei Rowan, und das flache stricken (hin-und-her) scheint bei ihr haften geblieben zu sein. Aber Fair Isle Muster in hin-und-her hat mich schon über die Dauer einer Maschenprobe in die Verzweiflung getrieben. Auf die Weise ein Kleid zu stricken? Auf gar keinen Fall! Die Rückreihen sind ein Alptraum. Muster von links nach rechts lesen, Flottierfäden im Weg, lose linke Maschen – da wär ich in drei Jahren noch nicht fertig.

Lange habe ich daher lechzend die Rowan Hefte durchgeblättert, habe mich in Bilder verliebt, die Anleitung nachgeschlagen und stöhnend alles wieder zugeklappt.

Wie ich nun doch zu meinem Sage gekommen bin? Seit meinem Driftwood habe ich etliche Pullover unterschiedlichster Bauart gestrickt. Top-down, Bottom-up, Sideways – quasi einmal das Karmasutra der Sweater Construction Techniken durch. Dann habe ich bei meinen Fair Isle Tüchern das Prinzip Steeking verstanden. Und mit genügend Erfahrung verstehe ich jetzt den Aufbau eines Pullovers, und wie ich anstelle von Nähten gestrickte Lösungen für das gleiche Ergebnis finden kann. „Knit in the round“ ist fast überall möglich (und meines Erachtens sinnvoll).

sageüberbrückung

Mit ein wenig „Mogelei“ geht die Arbeit viel leichter von der Hand 🙂

Anhand von den beiden Rowan Designs, die ich dieses Jahr schon auf den Nadeln hatte, möchte ich euch daher Anregungen zum Umdenken bieten. Denn wenn euch ein Entwurf vom Aussehen her gefällt, dann sollte euch auch nicht die Konstruktion davon abhalten ein Lieblingsteil zu stricken.

Morgen erkläre ich euch also meine Modifikationen am Yarrow, und zum finalen Sage am Sonntag öffne ich die Trickkiste für solche Anleitungen…