Kennst du den Sympathikus?

Das ist kein sympathischer Typ oder so, sondern eine Art Gehirn außerhalb des Kopfes. Der Sympathikus ist ein dezentrales Nervensystem, das gemeinsam mit dem Para-Sympathikus wichtige Reflexe im menschlichen Körper steuert.

Man sagt allgemein dass der Para-Sympathikus für “Rest & Digest” (Ausruhen & Verdauen) zuständig ist, also die Erholung und Regeneration deines Körpers steuert. Ganz ohne dass du etwas daran machst.
Der Sympathikus ist der Gegenspieler, der für “Fight & Flight” (Kampf & Flucht) zuständig ist. Wenn der Sympathikus übernimmt, dann bist du hellwach, in Alarmmodus, deine Augen analysieren Gefahren, deine Muskeln bereiten sich für den Kampf vor, deine Abwehrreflexe sind geschärft.

Warum ich das weiß? Weil durch die Verletzung von meinem Unfall das Kräftegleichgewicht von den beiden nicht mehr 50/50 ist. Eigentlich sind die beiden Ying und Yang, bei mir hat aber der Sympathikus etwas mehr Power, mein Körper ist also schneller in Alarmbereitschaft als er sein müsste.

Warum ich das erzähle? Weil es mit meinem neuen Tuch zu tun hat. Indirekt.


Sagen wir mal so: Wenn jemand ohne Vorwarnung eine plötzliche Bewegung auf mich zu macht, sind meine Sinne ja vorher schon auf Überleben gepolt, mein Körper versucht mich also aus der Situation zu befreien. Vielleicht hast du mal den ersten Jason Bourne Film gesehen, in dem er feststellt, dass sein Unterbewusstsein blitzschnell neue Situationen auf jegliche Gefahrenquellen abcheckt und Verteidigungshaltung einnimmt. Mein Gehirn ist nicht konstant mit beschäftigt, so dass ich nicht bewusst alles einordne, aber im Hintergrund berechnet der Sympathikus eifrig alle Fluchtrouten und analysiert das Gefahrenpotential der Umgebung.
Wenn sich jemand mir ohne Ankündigung nähert, dann übernimmt der Sympathikus die Schalter und ich mache eine ausweichende oder abwehrende Bewegung.
Goosebumps hat mich gelehrt plötzliche Handbewegungen in Richtung meines Halses, trotz hyperaktiven Sympathikus hinzunehmen. Der Drang die Oberfläche dieses Tuchs anzufassen und zu begreifen scheint bei vielen Stricker/inne/n vergessen zu lassen, dass die unangekündigte Handbewegung eines Fremden Richtung Hals vom (An-)Gegriffenen als bedrohlich empfunden werden könnte.

Nun trage ich halt fast immer Tücher. Meist meine Eigenkreationen. Und dieses Jahr auf der H&H hatte ich jeden Tag ein anderes an. Katrin von Schoenstricken hat mich am Spiderweb Tag getroffen und ihr Mann hat uns fotografiert, siehe hier. Das Messelicht steht uns beiden leider nicht gut :-/

Der Spiderweb Tag war für meinen Sympathikus der SuperGAU. Wie gesagt, ich war vom Goosebumps schon einiges gewohnt, aber diesmal griffen mir sogar einmal zwei Menschen gleichzeitig ans Tuch, einer davon stand dabei hinter mir. In dem Moment wirkte ich glaube ich kurz wie ein in die Enge getriebenes Tier, habe mich aber schnell wieder gefangen.

Zum Glück ist mein Gehirn nicht das von Jason Bourne, sondern das einer Strickerin, und ich kann rational einschätzen, dass begeisterte Wollsüchtige keine körperliche Gefahr für mich darstellen. Und natürlich freue ich mich mega darüber wenn eine meiner Ideen solche Begeisterungsstürme hervorruft! Aber dass Spiderweb SO gut ankommt, das hatte ich echt nicht vorhergesehen.

Es ist aber wirklich ein vielseitiges Tuch: etwas asymmetrisch, von beiden Seiten schön, es fällt klasse, und ist 100% unisextauglich, denn die Form ist irgendwo zwischen Schal und Tuch. Und das von mir verstrickte Garn (feinstes Cashmere) macht es zu einem überraschend belastbaren Kuscheltraum, der für viele Jahre ein Lieblingsteil bleiben wird.

Vernünftig wäre es also gewesen, das Tuch noch unter Verschluss zu halten, die Anleitung klammheimlich zu testen und dann zum Herbst rauszugeben. Fand ich aber irgendwie gemein, außerdem habe ich Louisa von Cardiff versprochen ihr alsbald die Anleitung zuzuschicken, damit sie selbst eins für sich stricken kann.

Daher haben Julia und ich uns für eine etwas andere Testvariante entschieden:
Der Test wird zwar in unserer inzwischen normalen Routine über Ravelry abgehalten. Es gibt eine Deadline und bestimmte Regeln.
Aber: Wenn du eher in Ruhe und ohne Druck die Testanleitung vor Veröffentlichung stricken möchtest, dann gibt es noch die Möglichkeit inoffiziell zu testen.

Spinnennetz Tuch spiderweb steek stichfestDafür haben wir diese Woche zwei Garnpakete geschnürt, eins aus Cardiff Small, und ein etwas günstigeres aus Lamana Milano. Du kannst die Pakete zum Materialpreis kaufen, und bekommst quasi die Testanleitung gratis dazu, ganz ohne Verpflichtungen.
Die “offiziellen” Tester, die mit Deadline etc., bekommen einen 10% Rabattcode für die Pakete. Wer am Ende der Deadline ein fertiges Projekt mit der Anleitungsseite bei Ravelry verlinkt hat, der bekommt außerdem die finale Version des Musters freigeschaltet. Die Ravelry Diskussion mit Fragen und ggfs. Korrekturen steht natürlich beiden Sorten von Testern offen.

Klingt nach einem guten Deal? Und du hast eh schon Lust etwas super raffiniertes für den nächsten Herbst (oder sogar schon Weihnachten, denk dran…unisex) zu stricken? Dann mach doch mit!

Am besten meldest du dich bei Ravelry, oder unter testknitting {at} stichfest net (sorry, eine automatische Mailadresse führt sofort wieder zu endlos Spam).