Oder: und was kann dein Garn so?

Ein frohes Wochenende erstmal, und direkt herzlich Willkommen in meiner neuen Stichfest Rubrik:

Wollen wollen

wollen

Als Volkswirtschaftlerin habe ich gelernt dass Informationsasymmetrien einen Markt stören. Also wenn eine Seite mehr über das Produkt weiß als die andere. Beispiel sind gern gebrauchte Autos und die Ungewissheit ob am Tacho gedreht wurde.
Bei meinen ersten Häkel/Strickansätzen hab ich mich beim Wolle kaufen auch als Opfer der Informationsasymmetrie gefühlt, vollkommen überfordert mit der Fülle an Informationen. Da werden Nadelstärken empfohlen, Verbrauchsmengen angegeben, Maschenproben geschätzt und Materialien angegeben, und ich war wirklich von Grund auf verwirrt.

Inzwischen bin ich etwas weiser, aber es gibt natürlich noch tausend Dinge die ich über Garne lernen werde. Und wenn ich selbst Wolle im Internet kaufe bin ich weiterhin auf mein Bauchgefühl angewiesen. Wenn man ein Garn nicht anfassen kann reicht mir die Information von der Banderole wirklich nur als grober Richtungsweiser. Scheinbar bin ich da nicht alleine.

Diese Woche bin ich unter anderem gefragt worden wieviel Garn einer Sorte für einen Schal mit bestimmten Maßen braucht. Hmm, naja, also für einen Pullover ist der Verbrauch angegeben, aber wie viele Quadratzentimeter strickt man denn so pro Knäuel in etwa?
Ich habe mich dran gemacht und es ausprobiert. Und als Folge dessen werde ich euch in Zukunft (in vermutlich unregelmäßigen Abständen) Garne näher vorstellen.

cardiff1Anfangen möchte ich mit dem Kaschmir Garn von Cardiff, da ich diese Woche mehrere Fragen dazu bekommen habe.
Als Tipp am Anfang: Ravelry hat eine unfassbare Datenbank für Strickgarne, auch Cardiff. Zu finden sind Informationen wie Nadelstärke, Lauflänge und Maschenprobe, außerdem bekommt man über den Tab “Projekte” gleich noch zu sehen was andere aus dem Garn gemacht haben.

Ich habe Cardiff auf einer Messe kennengelernt. Mit Kaschmir hatte ich bis dato eigentlich nur eine Erfahrung gemacht: Finger weg!! Kaschmir ist extrem empfindlich, noppt und pillt, und hält bei meiner Schusseligkeit nicht lange. Trotzdem haben die gewieften Italiener am Stand mich in ihren Bann gezogen…so tolle Farben (40!!), wenigstens mal anfassen muss man ja dürfen. (Und eine Farbkarte für meine Farbkarten-sammelnde Mutter abstauben.)

cardiff11Der Chef und ich haben uns dann lange auf gebrochenem Italo-Engli-Deutsch unterhalten, er hat mir von Cardiff’s Walktechnik erzählt, hat mir eine Strickprobe in die Hand gegeben (oooooh so weich:-)) und hat mir gesagt ich sollte mal dran reiben. (So kann man erkennen ob bei Beanspruchung die Fasern aufbrechen, sprich: pillen.)

Und er hatte Recht! Ich habe noch andere Leute am gleichen Teil rubbeln sehen, und die erwartete Kaschmirreaktion blieb aus! (Ganz ehrlich: es hatte was von den Videos im Baumarkt, leises oooooh und aaaaaah aus allen Ecken:-)

cardiff6

Der Trick: Bei Cardiff wird das Garn leicht angewalkt, die Fasern verfestigen sich also im Faden und können so später nicht so leicht am Nachbarfaden verhaken und Noppen bilden. Das Garn ist weiterhin kuschelig weich, aber eben um ein vielfaches robuster. Zugegeben: Im ersten Moment fühlt sich der Faden etwas ungewohnt an, so als hätte man ihn in Kreide getaucht, leicht stumpf/matt. Aber verstrickt fühlt es sich wieder an wie normales Kaschmir.

Nicht dass jetzt jemand losgeht und dem Liebsten einen Cardiff-Pulli zur Forstarbeit stricken möchte – das ist italienisches Garn! Für Forstarbeiterpullis bitte weiterhin bei den Iren/Skandinaviern anfragen 😉
Nun aber zurück zum eigentlichen Thema:
Auf den ersten Blick bin ich erstaunt, dass 25gr ein sooooo langer Faden ist. 112 Meter sind ganz schön viel.

Cardiff12Die Banderole hat ansonsten noch asymmetrischere Informationen als gewöhnlich, Lauflänge, ungefähre Nadelstärke und Pflegetipps, das war’s. Eine Maschenprobe ist nicht angegeben. Aber bei Ravelry werden 28 Maschen auf 10cm gerechnet. Ich bin bei 3er Nadeln auf 21 Maschen / 10cm gekommen, dabei stricke ich eher fest.

cardiff8Das gestrickte Stück habe ich gewogen, und hochgerechnet müsste ich aus einem Knäuel auf 30x18cm im falschen Patent, und 30x20cm in glatt rechts kommen.

Im vergangenen Sommer habe ich meine Testbestellung in einen Pulli verstrickt, und ich finde, dass das Zopfmuster total gut zur Geltung kommt. Das hat mich positiv überrascht, denn normalerweise ist dunkelblau gerne ein “Zopfschlucker”.

cardiff4

Für den Pulli habe ich übrigens etwa 300gr gebraucht. Und irgendwann schaff ich es auch noch das Muster aufzuschreiben…

Die Farbkarte habe ich dann doch selbst behalten. Dieses Garn musste ich für meinen kleinen Shop haben!

(Bei Ravelry hat Cardiff übrigens 5 von 5 möglichen Sternen! Ich bestätige das gerne)

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