Als Vorgeschichte zu diesem Thema muss ich etwas ausholen:

Socken sind Fußgefängnisse.
Ich hasse es Socken zu tragen. Punkt.
Sobald es mit den Frostbeulen vereinbar ist, bin ich barfuß.

Jeden Herbst sträube ich mich solange es geht, aber irgendwann gebe ich klein bei… es müssen Socken her.

Das geht seiner meiner Kindheit so, aber seit meiner Krankheit ist es schlimmer, denn das Bündchen von Socken ist bei mir entweder zu locker (alles rutscht, es bilden sich Dellen unter den Füßen, der kaputte Fuß protestiert), oder es sitzt zu stramm (nach langem Sitzen ist das Blut in den Füßen gefangen, der kaputte Fuß schwillt an und protestiert).

Gestrickte Socken sind meine beste Option, denn ich kann genau auf meine Problemzone achten, und inzwischen zerre ich auch nicht mehr an der Haustür die Socken vom Fuß, seufze auf und stecke nach einer Weile die körperlichen Eiszapfen barfuß in meine Fellpantoffeln und jammere über die Kälte. Also nur noch manchmal.

Bei Socken vom Bündchen zur Zehe (Cuff-down) habe ich auch inzwischen blind drauf genau wie fest ich meinen Anschlag machen muss damit dauerhaft nichts leiert, aber auch nix eingezwängt wird. Die optimale Rundenanzahl des Bündchens liegt für mich bei 12-20 Runden, dann bleibt die Socke genau wo sie hingehört.

Doof ist nur, dass ich eigentlich viel besser Toe-up Socken, also von der Spitze nach oben, stricken würde. Erstens würde das gut dazu passen, dass ich meine Socken ja immer unterwegs stricke, toe up ist nach der Spitze nur noch geradeaus.  Zweitens könnte ich viel besser die Länge der Socken anpassen…

Es ist nämlich so, dass ich von quasi jedem Paar Socken das ich je gestrickt habe, ein bis zwei winzig kleine Restknäuel hier liegen habe. Minimengen. Kann ich aber nicht wegwerfen, denn irgendwann werde ich ja durch eine glückliche Fügung noch 2 zusätzliche Stunden pro Tag finden, und diese ganzen Reste zu Babysöckchen stricken. Oder Entchensocken mit bunten Duckies. Oder mit Duplicate Stitch kleine Muster in den vielen tollen Farben auf irgendwelche Projekte aufbringen. Oder weben oder so.

Natürlich tue ich das nicht, und so habe ich inzwischen eine ganze Schublade im Schreibtisch nur voll von winzig kleinen Sockenwollknubbels. Die reichen aus um damit noch ein Leben lang alle meine Socken zu stopfen und Afterthought Fersen in Kontrastfarben zu stricken, ich brauche also wirklich nicht mehr davon.

Wenn man die Socken toe-up strickt, kann man die Socken genau so weit stricken, wie das Garn reicht. Besonders wenn man mit 50g Knäueln wie Sisu strickt. Ein Knäuel, eine Socke. Besonders beim Bruderherz mit den Yeti Füßen wäre es super, denn ich zweifle jedes Mal ob ich wirklich noch Garn für mehr Bein habe, oder ob er nachher eine ungewollte Kontrastspitze bekommt. Und stattdessen stehe ich nachher mit 5m Sockenwollrest pro Seite da, dabei wäre er für jeden Millimeter mehr Schaft dankbar gewesen ;-/

Du sagst jetzt wahrscheinlich: Ja aber dann strick doch halt von unten nach oben, whatever floats your boat young lady, aber hör auf mir die Ohren vollzujammern!

Bisher haperte das an einer Sache: Das Bündchen wurde genauso doof wie bei gekauften Socken. Irgendwie wollte nämlich keine Abkettmethode funktionieren. Einfaches überziehen wurde VIEL zu stramm, der surprisingly stretchy bind-off wurde nach einmal tragen surprisingly VIEL zu stretchy. Julia, ihres Zeichens geübte toe-upperin, hat mir den sewn bind-off empfohlen, der war auch ganz gut, für mein Sensibelchen an Fuß aber leider das kleine bisschen zu stramm (und lockerer sah es besch… aus).

Auftritt: Der Tubular Bind-Off

Jetzt habe ich meine Abkettmethode gefunden. Und nebenbei auch noch eine Verwendungsmöglichkeit für kleine Garnschnippsel (optional).

Vor ein paar Wochen habe ich ja Ringelsocken gestrickt, und hatte mir vorher in de Kopf gesetzt: Diese hier werden gleich, und ich werde genau so weit stricken, dass sich der Farbverlauf am zweiten Socken identisch wiederholt. Offensichtlich ein Fall für toe-up. Und aus dieser Situation heraus habe ich mich wieder auf die Suche nach DEM bind-off für mich und meinen Fuß gemacht, und bin beim Tubular Bind-Off gelandet.

Zu meiner vollsten Zufriedenheit. Sieht super aus, trägt sich prima, ist prima.

Und weil ich direkt  die Frage bekommen habe “wie geht das, und warum macht man das?”, ist das hier das Thema für die heutige Stricksprechstunde.

Das Warum dürfte nach der langen Ausführung klar sein, kommen wir also zum wie:

Und zwar habe ich bis zum Ende des Garns gestrickt (das Paar Socken aus der letzten Stricksprechstunde), und dann zwei Reste aus meiner Schublade genommen – grau-in-grau passt vielleicht zu Bitterfeld, aber das baldige Geburtstagskind ist nen Knallertyp, der kann ein paar Farbklekser vertragen. Bei meinen Ringelsocken habe ich etwas früher aufgehört und einen unsichtbaren Rand gemacht – auch sooooooo schön!

Du brauchst:

Ein paar Meter Garn,
zwei Sockenwunder,
eine Wollnadel

Die ersten zwei Schritte machen den Unterschied, denn sie “zwingen” die Maschen beim Abketten locker zu bleiben, so dass sie genauso schön aussehen wie der sewn-bind off, aber angenehm dehnbar sind.

In der ersten Runde strickst du jede rechte Masche im Bündchen rechts ab, und hebst jede linke Masche wie zum links stricken, mit dem Faden vor der Arbeit ab.

In der nächsten Runde strickst du jede linke Masche links ab, und hebst jede rechte Masche mit dem Faden hinter der Arbeit wie zum links stricken ab.

Jetzt nimmst du das zweite Sockenwunder, und hebst der Reihe nach alle rechten Maschen auf ein Sockenwunder, und alle linken Maschen auf das andere. Du brauchst eine relativ ruhige Hand.

Im letzten Schritt schließt du das Bündchen im Maschenstich.

tubular bind off socken stricken toe up kontrastTadaaah – ein wunderbar flexibler Abschluss des Bündchens, der auch noch hübsch ist!

Toller Nebeneffekt: Diese Kante ist so flexibel, die dürfte an den meisten Beinen passen – optimal auch für Geschenksocken, denn mal im Ernst: Vermisst du die Beine deiner Empfänger und rechnest deine Maschenprobe um? Für Socken? Eher nicht, oder?

(Übrigens: Einer meiner Kumpels kauft immer Anzug-Socken, die so eine bunte Kante am Bündchen haben – so erkennt er nach der Wäsche welche schwarzen Socken zusammengehören. Man könnte natürlich auch jedem Familienmitglied eine Farbe zuordnen, damit man die richtigen Wollsocken im richtigen Schrank einsortiert…)