Ein Loblied auf die gründliche Recherche

thistle nadelspiel

Diesen Monat hatte meine Mutter einen halbrunden Geburtstag zu feiern, und glücklicherweise hatte ich das perfekte Geschenk:
Im Oktober bin ich bei Pinterest über Pinneguris Tuch “Thistles” (Disteln) gestolpert, und habe direkt gedacht: perfekt für meine Mutter! Erstens friert sie auch immer so wie ich, zweitens liebt sie Tücher und Schals, und drittens kann sie abschätzen wie viel Arbeit dieses Geschenk war.

Jedenfalls habe ich mir zwei Knäuel Regia Sockenwolle gekrallt, eins blau, eins weiß, und habe mir die englische Anleitung ausgedruckt. (Runterscrollen bis das Bild von Sjal Thistle kommt, da dann Engelsk Mønster anklicken)
Dann habe ich bei Ravelry noch die Blogbeiträge zum Muster studiert; zum Glück spreche ich deutsch, englisch und norwegisch, denn ich hätte ohne die Erklärungen der Bloggerinnen (noch mehr) Fehler gemacht!!

Vorher recherchieren spart Nerven, Arbeit und Zeit

Falls ihr Lust habt auch so ein Tuch dieser Art zu stricken, folgende Dinge hätten mir als Vorwissen geholfen:

thistle erste distelDas Tuch wird rundgestrickt. Wie strickt man bitte ein Dreieck rund?
Man fängt mit kleinem Kreis an, und nimmt jede Runde Maschen zu. (Im Muster steht ‘in jeder geraden Runde, aber es muss jede Runde heißen.)
Wenn man eine kleine Runde vergrößert, dann bekommt man immernoch kein Dreieck, sondern eine Art Schultüte.
Und hier ging mir auf: dieses Tuch würde mein erster Steekingversuch.

Was bitte ist Steeking?

Steeking ist eine Methode, die traditionell zum Beispiel an Norwegerpullis benutzt wird. Dabei wird der Korpus des Pullovers einfach rundgestrickt, und die Löcher für die Ärmel werden nachträglich hineingeschnitten. Warum? Weil es einfacher ist, nur rechte Maschen für das Muster zu haben, wenn man mehrfarbige Muster strickt. Ein anderer Kniff um linke Mustermaschen zu vermeiden: Das Muster besteht in jeder zweiten (linken) Reihe nur aus einer Farbe.

Nachträglich bin ich klüger und sage: das hätte man an einem kleineren Projekt mal üben sollen. Und sowieso vorher mehr lesen sollen.

Hab ich aber nicht.

Hat auch irgendwie geklappt. Irgendwie. Mit teilweise panischer Verzweiflung. Wer noch Nervenkitzel im Leben braucht – hier ist die perfekte Übung.

Hilfsmaschen sind nicht automatisch hilfreich

thistle hilfsmaschen

Ganz von Anfang an habe ich etwas falsch verstanden: um später den Trichter zum Dreieck zu machen, wird entlang der beiden Seitenkanten aufgeschnitten. Die Schnitt-Linie wird von “Hilfsmaschen” gebildet, die unabhängig vom Muster gestrickt werden. An beiden Seiten der Hilfsmaschen wird jeweils eine Masche links gestrickt, die eigentlichen Hilfsmaschen aber rechts, im Schachbrettmuster. Die Linie aus linken Maschen kann man später benutzen um die Maschen für den seitlichen Rand aufzunehmen.
Da hab ich nicht genug hinterfragt. Habe nur “links” gelesen, und alles was nicht Muster war auch links gestrickt. Nicht im Schachbrettmuster, sondern wie es gerade auskam.
Das Schachbrettmuster wäre aber gut gewesen, weil es auf dieser Strecke keine “Flotten” gegeben hätte, das hätte etwas mehr Sicherheit beim Schneiden gegeben, denn die Fäden wären dichter verstrickt gewesen. Jeweils eine linke Masche am Rand hätte auch das Aufnehmen der Maschen für die Blenden übersichtlicher gemacht.

Der goldene Schnitt

Sicherlich wäre es auch hilfreich gewesen, ich hätte vorher genauer gelesen wie eigentlich die Maschen vor dem Aufribbeln geschützt werden. Denn wenn man einfach so drauf los schneidet, dann gute Nacht. Wäre mir nach zwei Monaten intensiver Arbeit das Tuch unter den Fingern weg geribbelt, ich weiss wirklich nicht was ich angestellt hätte.

Es gibt zwei Techniken um den Supergau zu vermeiden: Traditionell werden die Maschen durch eine Häkelkante versiegelt, schneller geht es aber mit einer Nähmaschine, indem man einfach die Maschen fest zunäht. Leider finde ich keine guten Erklärungen auf Deutsch.

Im Original wurde offenbar mit der Nähmaschine gearbeitet, ich habe keine Ahnung wie das geht. Die Tuchtütenform ist unten so eng geworden, es ist mir unklar, wie man den Fuß der Nähmaschine da noch unterbringen können soll. Ich hatte mich natürlich auf diese Technik verlassen, und habe die Häkelvariante erst nach Nähmaschinenversuch entdeckt. Es könnte sein, dass einige Flecken von kaltem Schweiß auf dem Tuch sind…(Erwähnte ich die Sinnhaftigkeit frühzeitiger Recherche?)

thistle häkelsteek

Die Häkeltechnik hat mir dann auch gezeigt warum die Hilfsmaschen besser rechts gestrickt gewesen wären: Man sieht bei rechten Maschen deutlich besser, wo die Häkelkante eigentlich hergehen muss. Bei meinen linken Maschen war das teilweise schon grob geraten. Hat aber trotzdem funktioniert…irgendwie.

Hätte, hätte, Fahrradkette…

Als nächstes zeige ich euch meine einzelnen Arbeitsschritte, wenn’s trotz meiner Panikmache noch in den Fingern juckt.

thistle fertig

(Das endgültige Tuch ist sooooo schön, es lohnt sich auf jeden Fall. Und das nächste wird größer!)